Improviser

Improviser in residence

Seit 2008 hat Moers eine Stadtmusikerin oder einen Stadtmusiker. Der improviser in residence des mœrs festival bereichert und belebt das kulturelle Leben von Stadt und Region, vernetzt sich mit den Menschen vor Ort, lädt in sein Heim zu intimen Mini-Konzerten ein, mischt beim Schlosstheater mit und zeigt sich natürlich mit einem großen Projekt auf der Festivalbühne. Jeder improviser hat hier die Freiheit, die einjährige Residenz ganz eigen zu gestalten und dem Jahr in Moers einen persönlichen Stempel aufzudrücken. Angelika Niescier rockte die Moerser Clubszene, Hayden Chisholm lief mit Kilt und Dudelsack über die Steinstraße, Carolin Pook formte ein Jugendorchester, Simon Rummel schuf kleine Singkreise und baute Instrumente, Ingrid Laubrock holte ihre New Yorker Kollegen zum Anfassen an den Niederrhein, John Dennis Renken bezauberte mit Kinderstücken, Josephine Bode mit Lichtinstallationen...Der Fantasie und Kreativität der Künstler sind keine Grenzen gesetzt. Und entsprechend gespannt und neugierig sind die Moerser Jahr für Jahr: Das Antrittskonzert des neuen Residenzkünstlers ist das meistbesuchteste in der ganzen Saison!

improviser in residence 2022: Tomeka Reid (USA)

Das moers festival freut sich sehr, eine der spannensten Stimmen der brodelnden Chicagoer Szene vorstellen zu dürfen: die Cellistin Tomeka Reid ist der 16. improviser in residence! Ein Jahr lang wird die Künstlerin das kulturelle Leben der Grafenstadt und des niederrheinischen Umlands beleben und bereichern.

Reid stammt aus Washington D.C., ging aber zum Studium nach Chicago und traf dort auf eine der schillerndsten und lebendigsten Musikszenen der Welt. Namen wie das legendäre Art Ensemble of Chicago, die AACM, Anthony Braxton oder Muhal Richard Abrams sprechen für sich. Hier konnte sie sich entfalten und sagt selbst, dass sie in der Metropole am Lake Michigan eigentlich erst zur Musikerin wurde. Schon bald arbeitete sie mit den oben genannten Größen, etwa in Braxtons ZIM Sextett.

Schon ihr Instrument, das Cello, zeigt, dass sie nicht nur im Jazz, sondern auch in der zeitgenössischen komponierten Musik zu Hause ist. Als Grenzgängerin zwischen den Welten erschafft sie eine sehr vielfältige Musik. Eigen ist ihr dabei ein besonderes Gefühl für Groove und eine spezielle Farbe in ihrer Harmonik und Melodik.

Auch hier identifiziert sie sich stark mit vielen Künstler*innen ihrer Wahlheimat: bei aller wilden Experimentierfreude bleiben stets die Wurzeln und die Tradition insbesondere der afroamerikanischen Kunst im Blick. Oder, wie es der Wahlspruch des Art Ensembles prägnant ausdrückt: Great Black Music from the ancient to the future!

Reid ist Weltbürgerin, die fünf Sprachen spricht und bereits überall auf dem Erdball konzertiert und unterrichtet hat. So arbeitet sie aktuell an Projekten mit äthiopischen Künstler*innen.

2019 wurde zur Darius Milhaud Gastprofessorin am renommierten Mills College in Oakland, Kalifornien berufen.

Freuen wir uns auf eine außergewöhnliche Klangkünstlerin, die bereits zahlreiche Ideen für ihr Residenzjahr im Gepäck hat!

Die beiden Improviser des moers festivals im Jahr 2021: Matt Mottel und Kevin Shea. Sie bilden zusammen die Band Talibam.

© Foto Miriam Juschkat

KEVIN SHEA & MATT MOTTEL

Improviser in residence des mœrs festival 2021

Das mœrs festival bekommt im Jubiläumsjahr sogar zwei neue improviser in residence! Die New Yorker Kevin Shea und Matt Mottel sind in Moers keine Unbekannten. Mehrfach schon waren sie auf dem Festival zu Gast, vor allem als Duo Talibam!

Unvergessen ihr Big Impact 2018, als Keyboarder Mottel einem Schlagzeuggewitter von 12 Drummern gegenübertrat – vermutlich das lauteste Abschlusskonzert aller mœrs festivals! Mottel und Shea sind höchst fantasievolle, interdisziplinär arbeitende Künstler, deren politische und gesellschaftliche Implikationen weit über das Musikalische hinausgehen. Für ihr Jahr in Moers haben sie einiges mitgebracht: Sie wollen der Geschichte des deutschen Free Jazz nachspüren, der seit den 1960er Jahren zahlreiche Verbindungen in die USA aufgebaut hat. Das  kann man an den Programmen des mœrs festival besonders gut ablesen – wie passend zum Jubiläumsjahr! Projekte mit Migranten sind ebenso geplant wie zahlreiche Aktionen im öffentlichen Raum, lassen wir uns überraschen!

Der Name Talibam! geht übrigens auf eine Überschrift in einer New Yorker Zeitung zurück, die versucht hat, das Bombardement der Amerikaner in Afghanistan heroisch zu verbrämen, einen Angriff, den die beiden Künstler aufs Schärfste verurteilen.

Die nächsten Improviser-Konzerte: